Bonding- ein emotionales Band zwischen Mutter und Kind

14.05.2020

Bonding, oder auch einfach Kuschelzeit genannt, beginnt für euch nicht erst ab Geburt, sondern bereits viel früher. De Jong beschreibt schon die Schwangerschaft als einen Zustand der inneren Auflösung, der die Frauen weich und empfänglich für Gefühle aus dem Inneren macht. (De Jong, 2004) Ihr baut bereits zu eurem noch ungeborenen Kind intuitiv eine Beziehung auf, indem ihr miteinander in Kontakt tretet und euch Vorstellungen zu Persönlichkeit und Aussehen eures Kindes macht oder ihr mit ihnen sprecht. Die Antwort eurer Kinder sind seine Bewegungen und Tritte. Das bedeutet, dass schon der frühzeitige, pränatale Dialog zwischen euch und eurem Kind, den Weg für eine positive weitere Entwicklung nach der Geburt ebnet. 

Die Bindung als Eltern an euer Baby ist die wohl wichtigste und stärkste Bindung, die ihr als Mensch je eingehen werdet. Diese Verbundenheit geht so tief, dass ihr alles tun werdet, um eure Kinder glücklich zu machen. Zärtlichkeiten austauschen ist dabei, etwas ganz Selbstverständliches. Alles ist erlaubt. Egal ob bussln, streicheln, kuscheln oder tragen. Es gibt nie ein Zuviel und ihr könnt eure Neugeborenen nicht verwöhnen. Im Gegenteil- sie sind Nähe und Begrenzung gewohnt und fühlen sich in in euren Armen am besten aufgehoben. 

Eine gelungene Bindung wirkt sich positiv auf den Verlauf der Kindheit aus. Eure Babys sind dann meist ausgeglichener und in ihrem Wesen unkomplizierter. Zudem sind sie bereits früh dem Alter entsprechend selbstständig. Die Zuneigung die ihr jetzt euren Kindern gebt, ist die Basis dafür, wie eure Kinder später selbst Beziehungen eingehen werden. Mit Bonding stärken wir unser Urvertrauen. Deshalb darf Nähe und Zuwendung in einer guten Mutter-Kind-Beziehung nie fehlen oder gar zurückgewiesen werden. 

Eine Studie des Psychoanalytikers Rene Spitz beweist, dass Kinder, die in einer gelungenen Mutter-Kind-Beziehung aufwachsen, sich besser und gesünder entwickeln. Kinder, die dieses Priveleg, aus den unterschiedlichsten Gründen verwehrt blieb, zeigten massive Rückstände im Entwicklungsverlauf auf. 

„Die Verlangsamung der Motorik kam voll zum Ausdruck; die Kinder wurden völlig passiv. Der Gesichtsausdruck wurde leer und schwachsinnig, die Koordination der Augen ließen nach. Der Verfall manifestiert sich zuerst in einer Stockung der psychischen Entwicklung des Kindes, dann setzen psychische Funktionsstörungen ein, mit denen somatische Veränderungen einhergehen. Im nächsten Stadium fürht dies zu gesteigerter Infektionsanfälligkeit und schließlich, wenn der Mangel an affektiver Zufuhr bis ins zweite Lebensjahr hinein andauert, zu einer auffallenden Erhöhung der Sterblichkeitsquote“. (Spitz, 2005,S290ff) 

Wir sehen also, wie wichtig Nähe und Zuneigung in einer Beziehung sind. Ohne sie können wir nicht überleben, beziehungsweise ist das Leben nicht lebenswert. 

Deshalb ebnen wir bereits im Kreißsaal den Weg und stärken das Band zwischen euch und eurem Neugeborenen, indem wir sie direkt nach der Geburt auf eure Brust legen und mit warmen Tüchern zudecken. Dabei ist es wichtig, dass ihr soviel Hautkontakt wie möglich habt und dieser erstmal so lang wie möglich ungestört von statten gehen kann.  Hautkontakt ist, wie ihr vielleicht wisst, der beste Wärmespender. Außerdem spüren, riechen und hören euch eure Kinder. Euer Herzschlag, der sie 9 Monate lang begleitet hat, beruhigt sie und sie fühlen sich geborgen. Ihr seht euch zum ersten Mal an und verliebt euch dabei. 

Wenn es dann manchmal nicht so abläuft, wie wir uns das alle wünschen, sind wir stets bemüht für euch und euer Baby das beste zu wollen. Sprich Kaiserschnitt, manuelle Plazentalösung oder größerer Geburtsverletzung. Dann kann die erste Bondingphase für euch Mama’s nicht ganz so intensiv erlebt werden und muss unbedingt nachgeholt werden. Hopfen und Malz sind da aber lange noch nicht verloren. Ihr liest vielleicht oft, dass gerade die aller ersten Lebensminuten, die wichtigsten überhaupt sind. Damit gehe ich nicht ganz d‘accord, weil Bonding nicht etwas ist, dass nur in den ersten Minuten stattfinden soll, sondern euch das ganze Leben lang über begleiten muss. 

Sollte bei jemandem von euch das eine oder andere eintreffen, dann macht euch keine Sorgen. Wenn aus irgendeinem Grund, das Bonding mit euch erstmal nicht möglich sein sollte, spannen wir die frischgebackenen Papa‘s ein, die diese Rolle gut und gerne übernehmen. Die Hauptsache ist, dass eure Babys in den ersten Lebensminuten Hautkontakt haben und Nähe spüren. Sobald ihr dann wieder zurück im Kreißsaal seid, seid dann wieder ihr an der Reihe. Wir ziehen die Kinder nie an und lassen sie stets nackt, bis gutes und ordentliches Bonding stattfinden konnte. 

Rebonding heißt dann das magische Wort. 

Also liebe werdende Mami‘s und auch Papa’s. Bonding ist sowohl für eine gesunde körperliche, als auch gesunde seelische Entwicklung eurer Kinder, von großer Bedeutung. Ihr lernt euren Kinderm damit feinfühlig und bindungsfähig zu werden und stärkt auch eure Gesundheit. Denn, wie auch unter Geburt, schüttet man beim Bonding Oxytocine, Adrenalin und Endorphine en masse aus, die uns schließlich gesund halten und glücklich machen. 

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