Die Latenzphase. Fluch oder Segen?

29.11.2021

In meinem heutigen, eher kurzem Blogbeitrag, geht es um die Latenzphase. Was man darunter versteht, wie ihr sie erkennt und was genau passiert. Eine Phase, die nicht jede immer angenehm empfindet und die euch auch mal verzagen lässt. Dabei ist sie sehr wichtig, weil sie Mutter und Kind auf die spätere Geburt vorbereitet.

Latent? Was heißt das überhaupt? Die gängigste und wohl auch treffendste Interpretation ist die, dass etwas im Hintergrund vorhanden, aber noch nicht sichtbar ist. Die Latenzphase beginnt ungefähr 1-3 Tage vor der eigentlichen Geburt. Was das für euch bedeutet? Ganz einfach. Wie oben bereits erwähnt bereitet euch diese Phase auf die Geburt vor. Manche von euch werden sie stärker wahrnehmen als andere. Typische Anzeichen für diese Zeit sind immer wiederkehrende Kontraktionen. Ein verstärkter Druck nach unten Richtung Beckenboden, begleitet mit vermehrtem vaginalen Ausfluss, oder Schleimabgang. Aber auch Übelkeit und Durchfall sind typisch für diese Phase. All das wird von euch wahrgenommen und ihr merkt, dass etwas anders ist. Auch, dass die Geburt bevorsteht. Diese regelmäßigen Kontraktionen werden oft als sehr unangenehm empfunden und ihr seid verunsichert. Geht es los? Oder ist es noch zu früh? Soll ich noch warten? Geht es meinem Baby gut? All diese Fragen werdet ihr euch stellen und euch auch letztlich dazu veranlassen zur Kontrolle ins Krankenhaus zu fahren. Und dann? Dann passiert Folgendes. Herztonkontrolle und vaginale Untersuchung, um zu sehen ob sich der Muttermund schon geöffnet hat.

Überraschung - Muttermund Fingerkuppe einlegbar oder gar geschlossen. "Wumm". Ganz klar eine riesige Enttäuschung für euch. Ihr hattet euch mehr erhofft. Immerhin spürt ihr immer wieder regelmäßig Wehen. Na gut, sie sind nicht immer gleich stark und auch die Abstände variieren noch ziemlich. Von 7 Minuten bis 20 Minuten ist alles dabei. Ab und an auch über Stunden Ruhe. Das bedeutet latent. Ihr nehmt die Veränderungen wahr, aber sie sind kaum messbar für den Geburtsfortschritt. Das ist oft enttäuschend und deprimierend. Vom Schlafmangel mal abgesehen. Denn meist spürt ihr erst abends oder in den späten Nachstunden die Wehen der Latenzphase, und unter tags kehrt Ruhe ein. Was tun? Was hilft?

Ein Entspannungsbad? Massagen? Spazieren? Unbedingt! Probiert es aus. Es ist alles erlaubt was euch gut tut. Verschiedene Positionen. Egal ob Seitenlage, Vierfüßler oder am Pezziball sitzend. Film schauen, Kuchen backen, bügeln. Sprich- Abhilfe & Ablenkung sind die Zauberwörter in dieser Phase. Fühlt ihr euch unsicher, dann kommt trotzdem ins Krankenhaus zur Kontrolle. Die Hebamme wird euch noch weitere Tipps geben und das ein oder andere Zäpfchen wird euch Linderung verschaffen.

Die Latenzphase ist weder Fluch noch Segen. Was sie aber definitiv ist? Nicht umsonst. Euer Körper spielt euch keinen Streich. Das ist wichtig zu wissen. Ihr erkennt, dass etwas anders ist. Euer Kind merkt, dass etwas anders ist. Innere Prozesse finden statt, die Muttermund und Zervix reifen lassen. Die Latenzphase gehört definitiv zur Geburt. Dass sie nicht immer angenehm ist, ist klar. Immerhin bereitet sie euch auf das vor, was noch kommt. Geht es dann aber tatsächlich los, fällt euch im ersten Moment nur ein großer Stein vom Herzen und ihr freut euch, dass es endlich soweit ist. Warum sie manche schmerzhafter als andere empfinden? Weil jeder Körper anders und jede Geburt so unterschiedlich ist, wie wir Menschen.

Was definitiv hilft? Geburtsvorbereitung! Und damit meine ich nicht nur die körperliche Vorbereitung. Klar, geburtsvorbereitende Akupunktur, Dammmassage und Heublumendampfsitzbad helfen natürlich. Aber sie nützen euch nichts, wenn ihr euch nicht auch mental vorbereitet. Yoga und Atemübungen, positive Einstellung und Schmerzakzeptanz gehören genauso zur Geburtsvorbereitung wie das oben Genannte. Wird aber oft vernachlässigt. Köper und Geist müssen im Einklang sein, um zusammenarbeiten zu können. Nun könnte, die ein oder andre sagen. Bullshit! Mein Geburtserlebnis war alles andere als schön.

Geburt ist Arbeit und die Geburtsvorbereitung ist euer Part für ein schönes Geburtserlebnis. Den Part des Kindes können wir nur bedingt beeinflussen. Geburt bleibt dann doch noch ein Stück weit unvorhersehbar. Aber allein das Gefühl gut vorbereitet zu sein, lässt einen dann, doch entspannter ins Ungewisse schauen, oder? 

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