Die Natürliche Geburt

22.04.2020

Wie schon Sheila Kitzinger einst sagte: 

"Natürliche Geburt" - das ist nicht eine bestimmte Methode schmerzfreier Entbindung. Wir fassen heute unter diesem Begriff alle Bestrebungen von Dick-Read über Lamaze bis hin zu Leboyer und Odent, Mutter und Baby die Geburt als ein freudiges Ereignis erleben zu lassen. (Sheila Kitzinger, Natürliche Geburt; ein Buch für Mütter und Väter; 7. Auflage 1991)

Um euch dies zu ermöglichen, bedarf es einer guten und richtigen Geburtsvorbereitung. Es ist wichtig, dass wir es, als Hebammen, schaffen euch Sicherheit zu vermitteln, damit ihr mit einem guten Gefühl in die Geburt geht. Körperliche aber auch mentale Vorbereitung auf das, was kommt, sind das A&O. Dafür ist es wichtig den Geburtsablauf, seinen Mechanismus an sich, zu kennen, um so für den gewünschten „Aha-Effekt“ zu sorgen.  

Für mich bedeutet das konkret, euch in meinen Geburtsvorbereitungskursen Antworten auf genau 4 Fragen zu geben.

  • Was kann ich, als Frau/Gebärende tun
  • Was macht mein Kind bei der Geburt?
  • Wie kann ich es, und vor allem wann am besten unterstützen?

Aus Sicht von uns Hebammen lauten diese:

  • Was kann ich, als Hebamme tun?
  • Was macht das Kind gerade?
  • Wie kann ich Mutter und Kind am besten unterstützen?

Wenn wir von Geburt sprechen, sprechen wir von einer Reihe aus Abläufen, die sich in 3 Phasen teilen lassen:

  • Eröffnungsphase
  • Übergangsphase
  • Austreibungsphase

In jeder dieser Phasen passiert etwas. Der Muttermund öffnet sich, die einzelnen Beckenbodenschichten weiten sich und euer Kind tritt tiefer. Euer Kind leistet- genau wie ihr- einen großen Beitrag. Es muss sich währenddessen drehen, tiefer treten und den Kopf dabei immer gebeugt haben, damit ihm das am besten gelingt.

Euer Part besteht darin, gut in die Geburtsarbeit zu finden und euch die Wehen so angenehm wie nur möglich zu machen. Das heißt, ihr müsst aktiv sein in eurem Tun. Fühlt euch nicht, wie ein Patient.

Gebären ist keine Krankheit.

Von stehend, über liegend in der Seitenlage, am Ball sitzend oder im Vierfüßler. Egal ob im Wasser oder an Land. Auch wenn dies manchmal Überwindung kostet und an die Substanz geht. 

Oxytocin, Adrenalin und Endorphine sind dabei eure natürlichen Wegbegleiter. Sie helfen euch den Wehenschmerz auszuhalten; helfen euch über eure Grenze hinauszuwachsen und noch diesen einen letzten Schritt weiterzugehen. 

Sie fördern den Dialog zwischen Mutter & Kind und unterstützen somit den natürlichen Gebärinstinkt. Mit der Zeit findet ihr dann euren Rhythmus und taucht in die Wehenarbeit ein. Oder um es anders auszudrücken- ihr schwimmt mit den Wellen und nicht gegen sie. 

Wie schon in meinem ersten Blogbeitrag geschrieben steht, bedeutet Geburt Grenzerfahrung. Jede Frau gelangt an diesen Punkt. Die eine früher, die andre später. Jeder kennt‘s vom Hörensagen. Sätze wie, 

„Ich kann nicht mehr, es geht nicht mehr!“

Das passt da nie und nimmer durch; das geht sich nicht aus!“

„Aus, Schluss, vorbei, mach endlich was. Sofort!“

„Ich will einen Kaiserschnitt, Jetzt!“, 

kreisen über euren Köpfen. Ihr seid der Meinung, es nicht mehr zu schaffen, es nicht mehr auszuhalten, wollt lieber sterben und seid am Aufgeben. Und dann sind da wir Hebammen und eure Männer, die euch über diese Schwelle tragen und euch wieder Mut fassen lassen. 

Das Gute daran- einmal an diesen Punkt gelangt, habt ihr es bald geschafft. Quasi, das Ende vor dem Ende.

"Zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte bekommen die meisten Mütter ihr Baby, ohne dass ihr Körper Hormone der Liebe freisetzt." (Michel Odent, Im Einklang mit der Natur- Neue Ansätze der sanften Geburt, Walter 2004)

Damit ist nicht gemeint, dass Schmerzmittel unbedingt vermieden werden sollten. Es bedeutet nur, dass wir dem natürlichen Verlauf einer Geburt nicht im Weg stehen dürfen; uns nicht den Gesetzen der Natur entgegenzustellen. 

Weg von aktivem Wehenmanagement, Wunschkaiserschnitt und viel zu frühen PDA-Anlagen und hin zu sinnvollem Einsatz der Schmerzmittel, Wahrung der Intimsphäre und vor allem Verständnis & Geduld für die wohl natürlichste Sache auf der Welt. 

Gleich dem Motto: "Gut Ding braucht Weile".

Unter Berücksichtigung all dieser Aspekte und guter Zusammenarbeit von allen Seiten- Geburtshelfer, Gebärende und Kind- steht einem freudigen, schönem Geburtserlebnis nichts mehr im Weg.


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