GBS pos - was tun?!

23.04.2021

Wenn wir in Fachkreisen von GBS reden, versteht man darunter die Besiedelung der vaginalen Flora mit Streptokokken der Gruppe B.
B-Streptokokken können beim Neugeborenen zu einer Infektion/Sepsis führen. Deshalb gilt als Prävention eine antibiotische Therapie mit Penicillin als notwendig.
Die vaginale Geburt und auch das Stillen haben einen großen Einfluss auf unser intaktes Mikrobiom. Eine Störung der Keimbesiedelung, z.B. durch Umgehen einer vaginalen Geburt oder die Schädigung aufgrund von Antibiotikagaben perinatal, können sich deutlich auf die Entwicklung des kindlichen Immunsystems auswirken, da hierbei auch "gute" vaginale Bakterien verloren gehen, die dem Kind sinnvollerweise mit auf den Weg gegeben würden. Aber was heißt das nun?!
Sollten wir also die als bisher geltenden präventiven Konzepte vielleicht neu überdenken? Gibt es überhaupt Alternativen? Und inwieweit hat eine gesunde Ernährung Auswirkung auf ein gesundes Mikrobiom?

Prinzipiell gilt:

Um eine Übertragung von B- Streptokokken von der Mutter auf das Kind zu vermeiden, schirmen wir die Gebärende subpartal mit einem Antibiotikum, meist Penicillin, ab.  Eltern & auch wir Geburtshelfer fürchten eine Infektion mit B-Streptokokken beim Neugeborenen, die nicht nur zu einer Meningitis, sondern auch zu einer Lungenentzündung oder gar Sepsis führen kann. Damit wird die Gabe von Antibiotika gerechtfertigt. Dies betrifft in etwa 25-30% der Gebärenden. Quasi gut 1/4. Aber bei nur 4 von 10.000 Geburten kommt es zu einer Erkrankung. Dies führt zu einer unnötigen Behandlung vieler Frauen mit Antibiotika und ist mitunter verantwortlich für erste Antibiotikaresistenzen bei Kindern. Wie oben bereits erwähnt, gehen dabei auch jene Bakterien verloren, die für die Entwicklung unseres Immunsystems eine tragende Rolle spielen. Erwähnenswert ist auch, dass es durchaus sein kann, dass die Infektion mit B-Streptokokken bei der Schwangeren zum Zeitpunkt der Geburt gar nicht mehr besteht. Wäre es daher also nicht angebracht im Kreißsaal, bei stationärer Aufnahme noch einmal einen Test auf B-Streptokokken durchzuführen? Die Möglichkeiten dazu gebe es. 

In der Frauenklinik Kolding/Dänemark, wird so ein Test seit etwa Mitte März 2017 noch einmal durchgeführt und dann je nach Bedarf behandelt. Die Zahl der behandlungsdürftigen Frauen mit einer Antibiose konnte so von 18 auf ganze 4% gesenkt werden. 

"Mit der neuen DNA-Analyse können selbst kleinste Mengen Bakterien nachgewiesen werden. Das Analysegerät kann im Kreißsaal stehen und von Hebammen und Ärzten bedient werden." (Deutsche Hebammenzeitschrift)

Eine Studie von Ohlsson A. et al kommt sogar zu dem Schluss, dass die Gabe von Antibiotika im Bezug auf B-Streptokokken bislang nicht durch hinreichende Evidenz belegt ist. Sie zeigten auch keine nennenswerten Unterschiede bei Todesfällen von Neugeborenen. Obwohl das Risiko einer frühen GBS-Infektion mit Antibiotika gesenkt werden konnte. Sie kommen zu dem Schluss, dass selbst wenn ein wirksamer Impfstoff (würde er denn entwickelt werden), nicht alle Fälle von GBS-Infektionen im Zusammenhang mit der Geburt verhindert. 

Auch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitsbereich (IQWiG) konnte keine Angaben dazu machen, ob denn ein GBS Screening in der Schwangerschaft für Mutter und Kind von Vor-oder Nachteil ist. 

Bleibt nun die Frage, warum wir weiterhin dem 08/15 Schema den Vorzug geben und es nicht wie die Dänen machen. 

Liebe Leser, ich kann euch beim besten Willen keine eindeutige Empfehlung zur Handhabung mit B-Streptokokken geben. Meine Recherche dazu, zeigt mir, dass noch viel viel Luft nach oben wäre und wir unsere Standards dazu überdenken müssen. Denn Fakt ist, dass viele Frauen unnötig mit Antibiotika behandelt werden. Eine erschreckende Tatsache, die nicht zu leugnen ist. Ich bestreite hier nicht den generellen Einsatz von Antibiotika in der Geburtshilfe, denn in manchen Fällen ist es sogar absolut notwendig die Kinder mit Antibiose abzuschirmen. Dazu zählen vor allem ein vorzeitiger Blasensprung über 18 Stunden; eine Frühgeburt; Fieber sub partu und steigende Entzündungsparameter bei der Gebärenden. Der Einsatz von Antibiotika wird sich nie ganz vermeiden lassen. Wenn die Möglichkeit dazu besteht, könnte man aber durchaus auf den Gebrauch verzichten und dafür mehr in die Prophylaxe zu B-Streptokokken investieren. Auch hierzu gibt es einige Studien. Beispielsweise spielt die Ernährung hierbei eine tragende Rolle. Diese hat einen großen Einfluss auf unser gesundes Mikrobiom. B- Streptokokken besiedeln häufig den Magen-Darm-Trakt. Auch der Besuch beim Zahnarzt hat Einfluss auf die Besiedelung mit B-Streptokokken. Eine regelmäßige Zahnreinigung im 3. und 4. Monat und im 7. und 8. Monat wäre sinnvoll. Und um mich nun noch weiter aus dem Fenster zu lehnen und um von so manchem Schulmediziner belächelt zu werden; auch der Knoblauch kann im Kampf gegen B- Streptokokken helfen. Denn unser guter Knoblauch hier, hat eine antibakterielle Wirkung bei B- Streptokokken, was sogar mehrfach in-vitro nachgewiesen werden konnte. Knoblauch enthält Allicin und 1mg Allicin entspricht in etwa 15 Einheiten Penicillin. 

Ihr seht also, man hätte einige Möglichkeiten, um B- Streptokokken vorzubeugen; und wie immer bedarf es eigentlich nur einer guten Schwangerenvorsorge. 


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