Sexualität nach vaginaler Geburt/ Kaiserschnitt Verlust & Wiederentdeckung der eigenen körperlichen & emotionalen Bedürfnisse

06.05.2021

Sex? Wann? Wie? Wie oft? Tut's weh? In diesem Blogbeitrag möchte ich dieses Mal auf eine Thematik eingehen, die weitestgehend tabuisiert wird. Keiner spricht darüber und viele Frauen haben schon in der Schwangerschaft bedenken, wie sich wohl ihr "Äußeres" nach einer vaginalen Geburt verändert haben wird. Ist es noch schön und vor allem ist SIE noch schön? Unsere Vagina, oder wie wir Hebammen auch gerne sagen: Vulvina (Vulva und Vagina) Können wir weiterhin Orgasmen haben, wie steht es um meinen Beckenboden, meine Kontinenz und um mein Bedürfnis nach körperlicher Nähe?.

"Ich will lieber einen Wunschkaiserschnitt, damit alles so bleibt wie es ist. Ich tu mir jetzt schon schwer mit Orgasmen." Mein Appell - liebe Frauen: habt ihr schon mal daran gedacht, dass das nicht nur an euch liegt?! Eine Studie der Uni Klinik Bonn berichtet, dass jede 2. Frau über eine Verschlechterung des Sexlebens nach der Geburt klagt. Unabhängig von der Art der Entbindung (vaginal; per Sectio). 177 Paare geben 34 Monate nach der Geburt eine deutliche Verminderung von Zärtlichkeiten und Sex an. Eine andere Studie aus Island befragte ebenfalls Paare zu diesem Thema. Das Ergebnis- das Gleiche.

Klar; Sex hat nicht mehr so viel Priorität. Was nicht unbedingt bedeuten muss, dass es eine schlechte Entwicklung ist. Euer Bedürfnis nach körperlicher Nähe ist in der ersten Zeit, durch den intensiven Kontakt mit eurem Kind befriedigt, sogar übersättigt. Außerdem hemmt das Prolaktin die Lust auf Sex. Die Wundheilung von etwaigen Geburtsverletzungen ist noch nicht abgeschlossen und der Schlafmangel nicht hilfreich. Was viele nicht wissen- die Lubrikation (Gleitfähigkeit der Vulvina) ist nach einer Geburt eine Zeit lang vermindert, was beim Sex zu Schmerzen führt. Aus Nichtwissen & Scham, greift man dann nicht auf Gleitmittel zurück. Ein schlaffer Bauch, laktierende Brüste, noch geschwollene Schamlippen sind zudem nicht hilfreich, sich schön und sexy zu fühlen.

"You stop thinking about yourself as a woman"

Aber wie können wir das ändern und vor allem können wir es ändern? > JAAA, wir können das! Wir haben es selbst in der Hand, um uns um unser Sexleben zu kümmern. Beckenbodentraining unterstützt die Rückbildung und stärkt die Muskeln, um wieder mehr zu fühlen. Jeder Mann und jede Frau weiß, dass wir dem jeweils anderen mit unserem Beckenboden viel Freude schenken können. Deshalb ist die Rückbildungsgymnastik sehr sehr wichtig. In Zeiten von Corona, könnt ihr hier auf Onlinekurse zurückgreifen, bis wieder "kurseln" angesagt ist. Epi No, Liebeskugeln und Co, sind definitiv auch ein Versuch wert - aber nicht verzagen, wenn es anfangs noch nicht so gut klappt und ihr wenig bis nichts dabei spürt. Muskeln aufzubauen dauert; vor allem da unten. Und redet, redet, redet. Die Kommunikation mit dem Partner spielt eine wichtige Rolle. Auch die Männer können eingeschüchtert sein, fühlen sich vielleicht zu anfangs wie das 5. Rad am Wagen und wollen euch nicht zu früh bedrängen, geschweige denn sich aufdrängen. Die Geburt kann auch für den Mann ein einprägsames Erlebnis sein. Sprecht darüber, vor allem über das nicht so Schöne. Was für ihn vielleicht sogar erschreckend war, aber ihr vielleicht gar nicht so empfunden habt. Auch die Männer können unter Libidoverlust leiden. Denn auch für sie ändert sich mit der Geburt des Kindes so Einiges. Von Euphorie und Freude bis hin zu starkem Verpflichtungs-/Verantwortungsgefühl und Überforderung kann alles dabei sein.

Die Beziehungen zueinander verändern sich. Im Mittelpunkt stehen nun die Bedürfnisse des Kindes. Es ist eine große Kunst sich ein Stück Egoismus beizubehalten und sich nicht selbst, und als Paar, dabei zu vergessen. Das schlechte Gewissen gegenüber dem Kind, meldet sich sofort wieder. Dabei ist die Zeit zu Zweit umso wichtiger, weil auch euer Kind von einer guten und harmonischen Beziehung profitiert. (dazu gibt es hier noch einen schönen Text >>>   Brief eines Babys an seine Elter

Also, liebe Eltern: räumt Zeit nur für euch als Paar ein. Fixe Zeiten/Dates. Von einem Rendezvous in der Badewanne, bis hin zum "Dirty-Talk" (egal ob im Schlafzimmer oder per Sexnachricht am Handy) oder einfach klassisch zum Dinner kann das alles ein. Schafft Platz, räumt gegebenfalls Spielzeug, Stoffwindeln, Babykrams weg, wenn es euch ablenkt. Einfach nur Zusammenliegen; Sich-Streicheln, Sich-Anschauen, miteinander-Reden, Sich wieder miteinander- Vertraut machen. Sich wieder neu kennenlernen. Nur IHR. 

Stellt euch dabei wichtige Fragen wie:

Warum fühlst du dich vielleicht noch nicht bereit?, Welche Körperzonen sind für dich derweil noch tabu?, Welche Stellungen sind gut & mit welchen möchtest du lieber noch etwas warten? So schafft ihr etwaige Unsicherheiten/ Ängste aus der Welt.

Und am Wichtigsten: Setzt euch nie unter Druck und achtet auf das was euch gut tut. Schließlich kommt es nicht auf die Quantität an, sondern die Qualität ist es, die zählt.

Also: zieht euch was Hübsches an, brezelt euch auf & schon kann es losgehen. Nur wer sich schön und wohl fühlt in seiner Haut, erlebt schönen und erfüllenden Sex.

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